Von Bangkok nach Koh Chang
Was gibt es Schöneres, als im Herbst dem grauen Wetter zu entfliehen und noch ein paar Wochen die Sonne und das Meer und liebenswerte Menschen in Thailand genießen zu dürfen? Ehrlich gesagt, fällt mir da ich Anhieb nicht so viel ein.
Bei der Planung schwankten wir wochenlang zwischen Vietnam und Thailand. Es kam sogar die Überlegung auf, einfach beides zu bereisen. Der Gedanke verschwand aber ziemlich schnell wieder, denn bei drei Wochen Urlaub wäre das eher in Stress als in Erholung geendet. Also wurde es schließlich Thailand.
Tja, nun tauchte aber schon die nächste Frage auf: Wohin?
Wo wir nicht hin wollten, war klar – auf keinen Fall nach Koh Samui und seine Schwesterinseln, überhaupt zu keinen Hotspot-Zielen. Gut, Chiang Mai gehört natürlich auch zu den Hotspots, stand aber trotzdem auf unserer Wunschliste.
Ich durchstöberte Blogs, schaute Videos, machte Tourpläne, verwarf sie wieder – so ging es wochenlang. Schließlich stand die Tour fest – dachte ich zumindest – und buchte mal für die ersten drei Tage ein Hotel in Bangkok. Von dort sollte es in den Süden, in die Gegend von Chumphon, gehen und anschließend in den Norden, um Chiang Mai, Chiang Rai und Pai zu erkunden.
Plan B
Wir sind Meister darin, Pläne umzuwerfen. Aber das Gute ist ja: Dadurch, dass wir alles selbst organisieren, geht das auch leicht. Also entschieden wir uns fünf Tage vor unserem Abflug nach Bangkok, dass wir nicht nach Chumphon gehen würden, sondern nach Koh Chang – der Elefanteninsel. Sie liegt fast genau gegenüber von Chumphon, in der Nähe von Kambodscha. Ihren Namen hat sie übrigens wegen ihrer Form und nicht, weil es dort vor Elefanten wimmelt. Elefanten gibt es auf Koh Chang zwar auch, aber eher, um Touristen zu „belustigen“, was ich strikt ablehne.
Wir fanden eine nette Bungalow-Anlage direkt am Meer, etwas außerhalb, und buchten dort für eine Woche, weil es danach in den Norden gehen sollte. Die Betonung liegt auf sollte.
what the f… (flight)
Unser Direktflug nach Bangkok hätte so schön sein können, wenn da nicht mitten in der Nacht bei mir Explosionsgefahr geherrscht hätte. Mein Magen – ich glaube meine Bauch war so groß wie ein Medizinball – und der Kreislauf rebellierten extrem, sodass ich schließlich von der Crew ein paar Kohletabletten und Elektrolyte bekam. Zum Glück half das nach einer Weile – Himmel war ich froh, als wir landeten und von unserem vorbestellten Taxi zum Hotel gebracht wurden. Meine Angst vor dem Rückflug kann man sich jetzt vorstellen.
Aklimatisieren – Drei Tage Bangkok
Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viele Essensstände es in Thailand gibt. Überall die Garküchen, verlockende Gerüche – man könnte den ganzen Tag auf Schritt und Tritt schlemmen. Gleich am ersten Abend lassen wir es uns an einer gut besuchten Garküche am Ende der Khao San Road (dort ist es nicht so extrem laut) schmecken – mein Magen konnte wieder etwas vertragen.

Noch ein kleiner Bummel über die Parallelstraße, die Thanon Ram Buttri, die viel ruhiger ist. „Wir könnten doch gleich unsere SIM-Karten kaufen“, meinte mein Mann, als wir an einem kleinen Shop mit Handykarten vorbeikamen. Stimmt eigentlich, also nichts wie rein. Ohne Ausweis geht das aber nicht, wurde uns erklärt – der lag natürlich im Hotel. Also zurück zum Hotel, Ausweise holen und wieder hin. Na ja, ein paar Schritte mehr nach so einem langen Flug schaden nicht.
Wir kauften die SIM-Karten (True) mit 30 GB für 30 Tage für gerade mal 199 Baht, das sind ca. 5 Euro. Innerhalb von ein paar Minuten richtete uns der Verkäufer alles ein – toller Service.
Wichtig zu wissen , nicht am Flughafen kaufen, dort ist es erheblich teurer.
Hip Hop Hurray
Bangkok vom Wasser aus erkunden – eine tolle Idee.
Auf die Idee brachte mich Tina von Tinas Pink Friday, als sie davon in einem Beitrag erzählte. Nachdem wir das in Berlin klassisch im Bus ausprobiert hatten und begeistert waren, lag es nahe, dass wir Wiederholungstäter wurden.
Ich kann das „Hop-on-Hop-off-Schiff“ nur jedem empfehlen, der nach Bangkok kommt. Den ganzen Tag für gerade mal ca. 4,- Euro auf dem Chao-Phraya-River von einem Punkt zum anderen schippern und die Gegend an den Haltepunkten erkunden – einfach toll. Die Tickets kauften wir direkt am Pier.
Wir haben es bis zur letzten Abfahrt des Schiffs vom Vergnügungspark Asiatique zurück zu unserem Startpunkt „Phra Arthit Pier“ ausgekostet und so sogar noch eine tolle Abendfahrt gehabt.



Wilde Fahrt
Am nächsten Tag erlebten wir unsere erste Busfahrt in Bangkok mit dem Ziel MBK Center. Es hoppelte gewaltig, und wir fragen uns bis heute, wie es die Fahrkartenverkäuferin schafft, im Stehen, ohne sich festzuhalten und nebenher noch Fahrkarten zu verkaufen, dabei nicht hinzufallen.
Was wir der zierlichen jungen Frau auch nicht zugetraut hätten, war, wie sie einen offensichtlich nicht gewollten Fahrgast am Einsteigen hinderte, indem sie ihn so wild anschrie, dass er kleinlaut draußen stehen blieb.

Das MBK Center ist so ziemlich das Gegenteil von den vielen Hochglanz-Shoppingmalls, wie man sie in Bangkok findet, in denen alle Marken von Rang und Namen vertreten sind. An fast jedem Stand werden wir angesprochen, es ist voll, man kann leicht den Überblick verlieren, Fake-Waren, wohin man schaut – aber ich mag es irgendwie. Warum, weiß ich eigentlich gar nicht so genau. Vielleicht ein wenig aus Nostalgie, weil es das erste Shoppingcenter in Bangkok war, das ich vor zehn Jahren besucht habe. Allerdings gab es damals mehr Abwechslung in den angebotenen Waren.
Ziel war es eigentlich, dass wir uns Mopedhelme kaufen, weil wir uns auf Koh Chang und im Norden ein Moped ausleihen wollten und uns die Idee von verschwitzten, bereits von x Leuten getragenen und vielleicht auch nicht ganz sicheren Helmen nicht gefiel. Tja, Helme fanden wir dort leider keine, dafür aber eine Handyhülle (seeeehr cool, mit Lippenstiftfach), ein Ladegerät fürs Handy (ein Fehlkauf – sah nur gut aus), Sportshirts, ……
Für die Helme mussten wir noch eine halbe Stunde laufen, wurden dafür aber mit einer guten und netten Beratung belohnt.


Inselleben auf Koh Chang
Nach dem Trubel in Bangkok kam das entspannte Inselleben auf Koh Chang gerade richtig. Wir entschieden uns, anstatt zu fliegen, mit dem Taxi vom Hotel bis zu unserer Unterkunft auf Koh Chang zu fahren – in etwa fünf Stunden. Das war wesentlich entspannter als mit dem Flugzeug – mit dem Taxi zum Flughafen, deutlich früher dort sein müssen, Flug, auf die Koffer warten, Taxi zur Fähre und weiter zur Unterkunft. Dabei sparte man keine Zeit und zahlte einiges mehr.
Wir buchten unser Taxi über die 12Go-App und bezahlten zusammen 50 Euro, inklusive Fähre. Da gab man dem Fahrer auch gerne noch ein gutes Trinkgeld. Was wollte man mehr?


Am nächsten Morgen denke ich: Mich laust der Affe.
Da macht man nichtsahnend morgens die Vorhänge auf und wird von einem Affen vor dem Fenster überrascht. Es hat eine ziemliche Weile gedauert, bis er endlich wegging und wir rauskonnten.


Der Norden weicht Plan C
Nach vier Tagen mussten wir uns so langsam Gedanken machen, wie und wohin wir in den Norden Thailands gehen. Das Ding ist nur, wir fühlten uns so sauwohl auf Koh Chang, dass wir kurzerhand beschlossen den Norden auszulassen und lieber unser Inselleben zu verlängern. Wir hatten noch lange nicht alles erkundet, und nun nochmal unsere Koffer zu packen um nach Chiang Mai zu fliegen, was ein wenig umständlich von der Insel aus ist , hm. Nach Bangkok mussten wir ja zum Rückflug nach Deutschland auch wieder, was dann nochmal eine Fahrt oder Flug gewesen wäre. Ne, wir blieben auf Koh Chang und konnten sogar in unserer Anlage verlängern. Zwar mussten wir den Bungalow wechseln, aber auch der war sehr schön. Für die Crew gehörten wir schon zum Inventar, denn die Wenigsten bleiben so lange.






Happy Birthday to me
Schon bei der Planung unsere Urlaub hatte ich die Idee, das wir doch einen „Thailändisch Kochkurs“ vor Ort machen könnten. Die Begeisterung meines Mannes hielt sich sehr in Grenzen. Schade eigentlich dachte ich mir. Sein Verhängnis war, dass er mich ein paar Tage vor meinem Geburtstag fragte, was ich denn an meinem Tag gerne machen möchte. „Ich wünsche mir einen „Thailändisch Kochkurs“ zum Geburtstag“ tja, da kam er jetzt nicht mehr raus. Wie es dann doch oft so ist, er halt richtig viel Spaß dabei.










So, so köstlichen Fisch haben wir auf Koh Chang im Salak Kohl Fishing Village gegessen. Ohne Schickimicki aber inclusive einer Traumkulisse. Nebenan dösten die Fischer in ihren Unterkünften und ab und zu kam ein ein Ausflugsboot von einer Tour auch die Mangroven zurück. Uns hat es so gut geschmeckt, dass wir am nächsten Tag gleich wieder kamen, was die Eigentümer sehr freute.
Thailändische Hilfsbereitschaft
Wir überlegten uns, dass wir, wenn wir es schon nicht auf die anderen Inseln schaffen, dann wenigstens auf Koh Ngam. Innerhalb weniger Minuten kann man sie mit dem Boot erreichen.
Eine holprige Berg- und Talfahrt mit unserem orangefarbenen „Blitz“, führte uns zu der Stelle, an der man mit einem Boot auf die Mini-Insel übersetzen kann. Zuerst machten wir aber noch einen kleine Schwenker an eine kleine Bucht in der es sich ein paar Urlauber in ihren Hängematte gemütlich gemacht hatte. Ein paar Minuten, haben wir mit ach wie schön es hier ist verbracht und wollten dann weiter, aber wo bitte ist der Moped-Schlüssel? Da fiel es Mann ein: „Mist ich habe ihn in das Fach der Sitzbank getan“, und die war jetzt zu! Tja und jetzt? Er ruckelte an der Sitzbank, aber nichts tat sich, sie war verschlossen. So langsam erweckten wir das Interesse der thailändischen Männer die in der Nähe standen und sie kamen her um zu erfahren was los sei. Lange Rede kurzer Sinn, alle halfen und schließlich stand das Moped auf dem Kopf, Mann konnte die Hand zwischen den Sitz stecken und den Schlüssel erreichen – lautes Jubeln von uns allen.
Lohnt sich Koh Ngam?


Gleich um die nächste Ecke fanden wir das Boot, dass uns mit anderen Urlauber auf Koh Ngam brachte. Der Himmel war ziemlich verhangen, und vielleicht fand ich auch deshalb die Insel nicht besonders besuchenswert. Aber wenn ich es mir recht überlege, war da noch mehr.
Es fing schon nicht gut an. Als wir aus dem Boot stiegen, schwamm uns eine aufgeplusterte tote Katze entgegen. In der Luft lag ein beißenden, fürchterlich Geruch, weil sie dort gerade Müll verbrannten. Dazu muss man wissen, die Insel steht unter Naturschutz, deshalb wird auch Eintritt verlangt. Der schmale Strand war vermüllt. Also alles in allem: na ja. Wir fuhren mit dem nächsten Boot wieder zurück.
Lost Place – „Boat Chalet Resort“


By, by Koh Chang

Ach schade, unser Zeit auf dieser wunderschönen und abwechslungsreichen Insel ist viel zu schnell vorbei gegangen . Wir haben unbeschreiblich liebenswürdige Menschen getroffen und wieder ein Stück fremde Kultur kennenlernen dürfen.
Hello again Bangkok
Unseren letzten vier Tage verbrachten wir nochmals in Bangkok. Der Fahrer war megapünktlich und fuhr uns sicher mit seinem knallgelben Auto nach Bangkok, zu unserem Appartement im Silom Distrikt. Das Appartement lag strategisch gut, weil es nahe zur Metro, BTS und zur legendären „Dusit Central Park Shopping Mall“ lag. Was so besonders an dieser Mall ist? Sie hat einen riesengroßen Park auf dem Dach mit Ausblick auf den Lumpini Park.

Der Tipp kam von unsere Nichte, die ein paar Wochen vor uns Thailand erkundet hatte – und er war super. Wir haben nicht schlechte gestaunt, als wir über die Rolltreppen dann oben im Park angekommen sind. So außergewöhnlich haben wir es uns nicht vorgestellt, unsere Vorstellung wurde absolut übertroffen. Am Abend ist es dort oben ganz besondere schön, das finden wohl auch die vielen Pärchen die sich hier tummeln. Es gibt Sitzgelegenheiten und auch ein paar Stände an denen man etwas zu trinken kaufen kann. Der Park ist in verschiedenen Ebenen angelegt, wirklich etwas ganz Besonderes.
Streetart und mehr in Samphanthawong


Im Distrikt Samphanthawong, direkte neben China Town, finden wir überall tolle Street Art, individuelle Läden und Cafés. Ich muss sagen hier gefällt es mir richtig gut. Ein bisschen anders und kreativ, da schlägt mein Herz höher.


Das Gegenteil von Citylife – „Khlong Bang Luang Market“
Auf meiner Wunschliste stand auch noch der „Khlong Bang Luang Markt“. Er wurde mir auch von unserer Nichte ans Herz gelegt, obwohl sie selbst, es nicht hin geschafft hatte. Er liegt etwas außerhalb der lauten und turbulenten City von Bangkok. Mit Metro und Co. wäre es etwas umständlich gewesen, also ließen wir uns mit dem Taxi hinfahren. Wo wir hin wollten verstand der Taxifahrer nicht, da wir keine Thai können und er kein Englisch. Das machte aber nichts, er hielt uns einfach sein Handy hin, und ich gab das Ziel in Maps ein. So machen es die meisten Fahrer von Taxis oder Tuk-Tuks.


Oh wie schön, ein Markt mit handgemachten Schönigkeiten – an dem linken Stand mit den Leinenblusen konnte ich nicht vorbei und kauft mir eine Bluse. Aber dann drängelte mein Mann auch schon, dass wir doch weiter zum Khlong sollten. Also gut.



Im „Artist House“ kann man kreativ werden. Von Malen, Lesen bis zum Schmuckherstellen aus Perlen oder einfach nur etwas trinken. Ich finde, es ist ein tolles Konzept. So etwas Ähnliches, nur in klein, habe ich schon auf Zypern gesehen. Die Idee behalte ich mir im Kopf, wer weiß ……

Zuerst fiel mir die unglaublich künstlerische Arbeit auf, das Bild ist aus vielen Stoffstücken und Stickerei gestaltet worden. Dann erst sah ich wer drauf ist.
Im Vintage- und Upcycling-Himmel

Shoooooping

Und schon waren die drei Wochen Thailand vorbei. Wir hatten eine tolle Zeit – trotz, oder vielleicht gerade weil wir unsere Pläne oft verworfen haben und alles flexibel hielten. Auf dem Rückflug bin ich übrigens nicht „explodiert“, ich hatte vorgesorgt
Ich höre oft Verwunderung darüber, wie wir so ungeplant reisen können. Alles oder vieles einfach offen zu lassen und uns dann vor Ort treiben zu lassen, ist unsere Art von Freiheit und Urlaub pur. Auf keine andere Weise können wir uns vorstellen, so viel Unerwartetes und Schönes zu erleben.
Dein Kommentar ist wie das Salz in der Suppe – ohne ihn fehlt was!
Er bringt Leben in den Blog – ich freu mich riesig darauf

mega schön ,wunderbar beschrieben.
Man empfindet so wenn man live dabei wäre.
Mit so farbenfro und mitreißend das man am Liebsten gleich das alles erleben möchte.
einfach wunderbar.
herzlichen Dank für Deine Inspiration.
Ich war auch schon mehrmals in Bangkok und einmal in Koh Chang aber da hast viel mehr unternommen und angeschaut als ich.
Vielen herzlichen Dank. Dein Kommentar freut mich sehr, und noch mehr, dass du dich durch meine Erzählung selbst in den Urlaub versetzt fühlst. Genau so ist es gedacht.
Viel Spaß noch beim durchstöbern von meinem Blog
Antonette