Bella Apulien wir kommen
Welchen schöneren Anlass gibt es, als für die Hochzeit einer Cousine meines Mannes nach Apulien zu reisen und dies gleich mit einer Woche Familienurlaub zu verbinden? Eine Woche voll Sonne, schöner Begegnungen, kulinarischer Genüsse und Dolce Vita.
Schon im Februar buchten wir unsere Flüge nach Bari und reservierten ein großes Haus mit 4 Schlafzimmern, Pool und einem atemberaubenden Ausblick auf die Umgebung und das Meer. Nur für unseren kleinen Sonnenschein war es noch nicht die richtige Zeit zu reisen, so gerne er auch dabei gewesen wäre – die nächste Gelegenheit kommt bestimmt.
Auf die Hochzeit freuten wir uns alle schon so, so sehr, denn die traumhafte Location kannten wir schon von der Hochzeit eines Cousins vor ein paar Jahren.
Wir kamen spät abends an unserem Haus an und wurden trotz der späten Zeit sehr freundlich von Roberta, die sich um das Haus kümmert und die Schlüsselübergabe macht, empfangen. Sie gab uns auch gleich Tipps, wo wir in Carovigno eventuell noch etwas zu essen bekommen könnten – und wir hatten Glück, tatsächlich konnten wir um 00:30 Uhr unsere erste Pizza essen. Sie war nicht unbedingt der Renner, aber zumindest hat sie unseren Hunger gestillt und wir mussten nicht mit einem Bärenhunger schlafen gehen.
Unwiderstehlich
Am nächsten Morgen ging es erst mal auf einen Cappuccino und ein paar Leckereien in den Ort Carovigno, der 5 Minuten mit dem Auto vom Haus entfernt liegt.


Nachdem wir alles verstaut hatten, kam auch schon ein Cousin mit seiner Frau, um uns an ihren Lieblingsstrand „Torre Canne“ zu bringen. Ein kleiner, bewirtschafteter Strand mit einem netten Lokal, Sanitäranlagen und auf Wunsch mit Liegen und Schirmen. Bevor wir loszogen, machten wir noch eine ganze Ladung belegter Brötchen = panini, die wir an den Strand mitnahmen – so macht man das in Italien.

Man kann es sich schon fast denken, dass wir nach dem Strand schon wieder hungrig waren und so ließen wir uns in einem netten Restaurant verwöhnen. Unsere Devise war aber, nicht zu viel essen, denn am nächsten Tag ist die Hochzeit und da wird seeeeeeeehr viel gegessen. Funfact, wirklich umgesetzt haben wir unseren Vorsatz nicht, aber ganz ehrlich, wer je in Apulien gewesen ist, kann das nur zu gut verstehen.
Die Hochzeit
Geheiratet wurde erst am Abend und so hatten wir den ganzen Tag Zeit, Spaß zusammen zu haben, den Pool und Ausblick zu genießen und uns natürlich hübsch zu machen. Also genügend Zeit, um bis zur Abfahrt fertig sein zu können, tja, bei 7 Leuten wurde es natürlich am Ende trotzdem knapp und wir kamen nach einer Fahrt über Stock und Stein und verfahren, nach etwas mehr als 1 Stunde gerade noch rechtzeitig zur Trauung an. Um die Tanten, Onkels, Cousins und Cousinen zu begrüßen, blieb gerade noch Zeit, bevor wir es uns im Schatten der Bäume auf den weißen Stühlen bequem machten und auf das Brautpaar warteten. Meine Güte, wie glücklich und schön sie aussahen und welche zu Tränen rührenden Trauversprechen sie sich vortrugen – so, so schön.
Nachdem genügend Freudentränen geflossen waren und das Brautpaar mit vielen, vielen, vielen herzlichen Glückwünschen, Küssen und Umarmungen von allen Gästen bedacht wurden, startete das rauschende Fest.



Bari und bye, bye
Heute musste leider bereits ein Familienmitglied die Reise nach Deutschland wieder antreten, und so verbrachten wir alle den Tag in Bari. Ein bisschen bummeln, einen Cousin auf einen Espresso treffen und natürlich essen. Was isst man, also die anderen, ich nicht, in Bari – Crudo. Was ist denn Crudo? Das sind rohe Meeresfrüchte und auch Fisch, die nur mit etwas Zitrone, Olivenöl, Pfeffer und Salz gegessen werden. Weiter unten gibt es noch ein Foto davon.


Sightseeing – Strand oder Land?
So oft wir auch schon in Bari gewesen sind, so richtig viel angeschaut hatten wir noch nicht, denn meist ist man doch mit der Familie zusammen und unternimmt nicht wirklich Ausflüge in die Umgebung. Eigentlich schade, dachten wir uns, und daher unser Entschluss, es diesmal anders zu machen. Mit der italienischen Familie hatten wir an der Hochzeit ausgemacht, dass am Freitag ein Grillfest bei uns sein würde, also war auch Zeit für „la famiglia“ eingeplant.
Mein Lieblingsmann und ich sind ja nicht so die Strandlieger und so trennten wir uns in die Fraktion Strandlieger und Städteerkunder. Jedem das Seine und jeder war glücklich.
Ceglie Messapica
Unser erster Stopp war in Ceglie Messapica, ein netter kleiner Ort mit schönen Gassen, und wie man sieht, war wenig los. Wahrscheinlich gibt es einfach mehr Menschen, die zur Fraktion Strandlieger tendieren und erst am Abend die Städte besuchen. Gut für uns, und so schlenderten wir auch die Gassen, ließen uns ein oberleckeres „panino“ (belegtes Brötchen, aber das ist nicht einfach nur ein belegtes Brötchen, ne, ne, ne, das ist kulinarischer Hochgenuss) schmecken – jaaaa, in Apulien ist man viel am Essen.

Locorotondo
Weiter ging es nach Locorotondo, was übersetzt „runder Ort“ heißt. Wenn man es sich auf der Karte anschaut, sieht man, dass die Altstadt rund gebaut wurde.
Einen Parkplatz zu finden war sehr einfach, aber den Parkschein zu bezahlen nicht. Der erste Automat war irgendwie nicht bereit, einen Parkschein auszuspucken, also mussten wir noch ein Stück laufen, um am nächsten Automaten dann endlich den Parkschein lösen zu können.


Wir waren so vertieft beim Stadterkunden, dass wir fast die Zeit vergessen hätten. Wir hatten ja am Morgen mit den Strandgängern einen Zeitpunkt ausgemacht, wann wir uns wieder in unserer Unterkunft treffen würden, um dann, na was wohl – essen zu gehen.
Ostuni
Noch eine weitere Köstlichkeit in Apulien sind die „Fornelli pronti“. Das sind Metzgereien, in denen man sich sein Fleisch aussucht, das dann für einen zubereitet wird, und genau das ließen wir an diesem Abend schmecken. Ich kann nur wieder sagen, sehr, sehr lecker. Die Strandgänger wollten natürlich auch noch ein wenig Stadtleben und so machten wir uns nach dem Fleischgenuss auf den Weg nach Ostuni, der weißen Stadt. Jedes Jahr wird sie wieder weiß getüncht, damit sie strahlt.


Neuer Tag, neuer Trip
Same procedure wie gestern. Strandlieger und Städteerkunder haben sich nach einem Frühstück im Ort und den Bestellungen beim Metzger (50 Würste) und Bäcker (50 Brötchen) für den Freitag getrennt, um sich am Abend dann wieder zu treffen.

Martina Franca
Lieblingsmann und ich machten uns auf den Weg nach Martina Franca. Ihren Namen verdankt die Stadt zum einen dem Schutzpatron St. Martin, der wohl die Stadt mehrmals vor wilden Barbaren beschützt hat, und Franca (frei), weil es so um 1300 durch Steuerbefreiung attraktiv gemacht wurde, sich dort anzusiedeln.

Ach ich liebe es einfach, diese Altstädte zu durchschlendern und schöne Ecken zu entdecken. Dabei sind wir auch auf die Flügel gestoßen und konnten es uns nicht verkneifen, ein kleines Fotoshooting zu machen. Einen besonderen Laden mit handbemalten Babybodys haben wir auch beim Durchstreifen der Gassen entdeckt, klar war, dass wir einen für unseren Enkel mitnehmen wollten – nur welchen, die waren als so schön. Nachdem uns die Verkäuferin geduldig beraten hat, kamen wir eine viertel Stunde später mit unserem Mitbringsel aus dem Laden. Bild habe ich leider vergessen zu machen.
Diese schwere Aufgabe machte uns wohl Hunger und wir fanden ein nettes Restaurant am Platz vor der Basilica St. Martino.


Sie ist nicht nur von außen imposant, auch innen ist sie besonders schön.
Alberobello
Nur 15 Kilometer von Martina Franca entfernt liegt der für seine außergewöhnlichen Häuser = Trulli bekannte Ort „Alberobello“. Das passte gut in unsere Tagesplanung. Wir hofften, dass die Reisebusse inzwischen wieder weg und es dadurch etwas weniger voll sein würde.
So war es auch, wir fanden gleich einen Parkplatz und durchkreuzten Alberobello mit kleineren Touristenströmen. Wir waren schon ein paar Mal hier und es wird jedes Mal touristischer. Verständlich, dass die Anwohner das Interesse an diesem schönen Ort nutzen möchten, aber gleichzeitig auch schade, dass dadurch der Charme des Ortes verloren geht.
Ein kleine Anekdote
In den Trulli herrscht durch die Bauweise ein angenehmes Klima, egal wie heiß es draußen ist. Vor vielen Jahren, als unsere Tochter noch klein war, machten wir sogar einmal 1 Woche Urlaub in einem Trullo auf dem Land – ein besonderesErlebnis. Eine Anekdote aus diesem Urlaub: Töchterchen kletterte eines Tages auf das Dach unseres Trullos und bot ihren Cousinen spontan eine kleine Rap-Show, den Text weiß ich noch heute: „Hey du, geh weg von meinem Haus, ich dreh mich um und geh nach Haus.“ Das war so lustig, wie sie da oben stand und voller Überzeugung rappte. Wie sie auf diese Idee überhaupt kam – keine Ahnung, und sie weiß es auch nicht, es kam eben einfach über sie.

Unsere Aufenthalt hier hielt sich in Grenzen und so machten wir uns dann auch auf den Weg zurück, wo wir die Strandgänger trafen, um, was auch sonst, gemeinsam zum Abendessen zu gehen. Nach längerem Hin und Her, wo wir denn wohl die beste Pizza bekommen würden, landeten wir wieder in Carovigno, dem Ort unter unserer Unterkunft.

Man muss die Feste feiern …
Unser letzter Tag vor unserem Rückflug nach Deutschland, schon ein bisschen schade, aber das Tolle war, am Abend, oder vielleicht am Nachmittag – so genau wussten wir das nicht, denn eine exakte Uhrzeit für alle zu vereinbaren hatten wir verpasst. Es war also ein kleines Rätsel, wann die 19 Verwandten, bestehend aus Tanten, Onkeln, Cousins, Cousinen, Ehepartnern und Kindern der Cousins, denn kommen würden. Insgesamt waren wir also 25 Personen, nun ist wahrscheinlich verständlich, warum wir 50 Kringelwürste und 50 Brötchen bestellt hatten.
Immer wieder erhielten wir am Vortag Nachrichten wie „ich bringe noch was vom Käseladen mit“ oder „ich bringe Oliven mit“, uns blieb nur übrig, sie zu erinnern, dass wir schon selbst viel gekauft hatten – das war zwecklos und wir ergaben uns.
50 Euro für 30 Minuten Strand
Also, wie gesagt, wir gingen davon aus, dass alle erst am Abend kommen würden, da einige erst nach der Arbeit kommen konnten. Wir entschlossen uns daher, nachdem die Sachen vom Bäcker und Metzger geholt worden waren, noch an den Strand zu gehen. Er war nur 15 Minuten vom Haus entfernt, ein Parkplatz war schnell gefunden und mit dem Strandbetreiber wurde der halbe Tagessatz für die Strandliegen und Schirme vereinbart. Es kam eben, wie es kommen musste: Wir waren ca. eine halbe Stunde da und wollten es uns nach ein bisschen Baden im Meer gerade gemütlich auf unseren Liegen machen, als die Nachricht einer Tante aufs Handy kam, sie seien unterwegs, in einer halben Stunde am Haus. Oh no, das war ein kurzer und teurer Besuch am Strand. Was jetzt? Uns blieb nichts anderes übrig, als sofort unsere Sachen zu packen und zurückzufahren, aber die 50 Euro für 30 Minuten ärgerten uns schon, bis einer auf die Idee kam, die Liegen und Schirme einer Familie zu überlassen, die nebenan am Gratis-Strand waren. Die freuten sich riesig, vor allem die Kinder waren total aus dem Häuschen und luden gleich ihre Freunde zu sich unter den Schirm und auf die Liegen ein – so konnten wir alles mit Freude lassen und eilten zu den ersten Gästen, die mit Leckereien bepackt bis hinter die Ohren schon kurz nach uns am Haus eintrafen.

Nach und nach trafen auch die anderen ein und jeder brachte noch etwas zum Essen oder Trinken mit. Die Frauen – Klischee bedient – machten sich in der Küche zu schaffen und die Männer kümmerten sich um alles, was draußen gemacht werden musste, wie Feuer machen und Kommunikation betreiben. Ok, Kommunikation machten die Frauen auch.


Es war noch ein wunderschöner Abend, wir haben viel gelacht und mindestens genauso viel gegessen. Aber so sehr wir uns mit dem Aufessen auch anstrengten, es musste noch einiges von den Gästen mit nach Hause genommen werden, denn wir flogen ja am nächsten Tag zurück in „The Länd“.
Wie sieht „Crudo di mare“ aus?
Unser Rückflug ging erst am späteren Abend und so blieb uns noch schön Zeit, um ein wenig shoppen zu gehen und für ein Abschlussessen im Lieblingsrestaurant eines Cousins, das bekannt für sein „Crudo“ ist. Ich musste natürlich nicht zusehen, für mich wurden andere Köstlichkeiten gekocht.

Es war eine schöne, entspannte Woche in Apulien. Viele uns wichtige Menschen gesehen, viel gelacht, viel gesehen, viel unterwegs und ganz viel gegessen.
Verlinkt wir der Beitrag beim Bingo von antetanni weil ich ein Kreuzchen bei „unterwegs“ machen kann.
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